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Manche Begegnungen sind keine Liebesgeschichte.

  • Lisa
  • 10. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Ich habe lange geglaubt, der Wert einer Begegnung entscheidet sich daran, wie sie endet.


Ob daraus eine Beziehung wird. Eine Freundschaft. Ein gemeinsamer Weg.


Als müsste jede Begegnung irgendwohin führen, damit sie bedeutsam war. Und als hätte sie ihren Wert verloren, wenn sich die Wege wieder trennen.


Heute glaube ich, dass ich Begegnungen selbst lange falsch bewertet habe.


Mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass manche Menschen gar nicht in unser Leben treten, um zu bleiben. Manche begegnen uns nur für einen kurzen Moment. Nicht, weil sie die große Liebe sind oder unsere engsten Freunde werden. Sondern weil sie etwas in uns sichtbar machen, das wir alleine vielleicht nie entdeckt hätten.


Genau darin liegt für mich heute der eigentliche Wert einer Begegnung.

Nicht alles, was ein Mensch über uns sagt, ist wahr. Menschen begegnen uns immer durch ihre eigene Geschichte, ihre Erfahrungen und ihre Sicht auf die Welt. Deshalb wäre es genauso falsch, jede Rückmeldung ungefiltert zu glauben, wie sie grundsätzlich von sich zu weisen.


Viel spannender finde ich inzwischen eine andere Frage:


Warum berührt mich genau das, was dieser Mensch in mir auslöst?


Denn manchmal liegt die eigentliche Erkenntnis gar nicht in den Worten des anderen, sondern in unserer Reaktion darauf.


Ich hatte einmal eine Begegnung, die mir genau das vor Augen geführt hat.

Es war keine außergewöhnliche Geschichte. Kein großes Drama. Kein Hollywood-Ende. Was geblieben ist, ist nicht die Begegnung selbst, sondern das, was sie in mir angestoßen hat.


Plötzlich wurde mir bewusst, welche Geschichten ich manchmal noch über mich selbst erzähle. Welche Unsicherheiten in bestimmten Momenten auftauchen. Welche Erwartungen ich an mich habe. Und gleichzeitig auch, an welchen Stellen ich längst anders reagiere als noch vor ein paar Jahren.


Das Schöne daran war: Es ging gar nicht darum, etwas an mir zu verurteilen.


Es ging darum, etwas zu erkennen.


Denn nicht jede Begegnung zeigt uns eine Baustelle. Manche zeigen uns auch, wie weit wir bereits gekommen sind. Sie bestätigen uns in Entscheidungen, die wir getroffen haben. In Grenzen, die wir heute setzen können. Oder in dem Gefühl, dass wir beginnen, uns selbst immer mehr zu vertrauen.


Ich glaube, genau deshalb können Begegnungen so wertvoll sein.


Besonders dann, wenn wir uns wirklich zeigen.


In Momenten emotionaler oder körperlicher Nähe legen wir vieles ab, was uns im Alltag schützt. Wir können Rollen nicht mehr so leicht aufrechterhalten. Genau dort werden oft Seiten sichtbar, die wir selbst lange übersehen haben – nicht, weil mit uns etwas nicht stimmt, sondern weil Verletzlichkeit sichtbar macht, was uns wirklich bewegt.


Vielleicht bewerten wir Begegnungen deshalb viel zu häufig danach, ob sie bleiben.

Vielleicht sollten wir sie häufiger danach bewerten, was sie in uns bewegt haben.


Nicht jede Begegnung muss in einer Beziehung enden.

Nicht jede Verbindung braucht ein Happy End.

Nicht jede Begegnung muss die neue beste Freundschaft werden.

Und vielleicht müssen wir Menschen auch gar nicht abwerten, nur weil sie nicht Teil unserer Zukunft werden.

Sie dürfen ihren Platz behalten.


Nicht als unerfüllte Möglichkeit.

Sondern als Begegnung, die etwas in Bewegung gebracht hat.


Vielleicht ist das der eigentliche Sinn mancher Begegnungen.

Nicht, dass sie unsere Geschichte werden.

Sondern dass sie uns helfen, unsere eigene Geschichte bewusster weiterzuschreiben.


Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Formen von Dankbarkeit.

Einen Menschen gehen lassen zu können, ohne seine Bedeutung kleinzureden.


Absurd, aber wahr.

 
 
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